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Klassische Musik und Oper von Classissima

Maria Callas

Montag 27. Juni 2016


Crescendo

27. Mai

Skandal! - Skandal!

CrescendoEr gehört zur Oper wie der Stab zum Dirigenten. Doch was bedeut der Skandal überhaupt, wie kreiert man einen und warum hat er bis heute nichts von seiner Attraktivität verloren? Der Skandal liegt im Auge seines Betrachters. Punkt­um. Klingt skandalös? Nun, was im Theater oder in der Oper als anstößig ins Auge springt, etwa Blut, Sex oder Gewalt, gehört zu jenen Dingen, die uns im Fernsehen längst nicht mehr auffallen. Wir sind daran gewöhnt. Es folgt daraus, dass ein Publikum ohne Weiteres am selben Abend einen Vorgang ausbuhen und als unerhört empfinden kann, den es eine halbe Stunde später, im heimischen Ohrensessel, als absolut normal hinnimmt. Skandale sind das Herz der Oper. Der Puls geht hoch, die Türen knallen. Man sieht daran, wie empathisch und leidenschaftlich wir funktionieren, wenn sich ein roter Vorhang vor unseren Augen geöffnet hat, während die Mattscheibe uns stumpf und indolent macht. So gesehen gibt es nichts Schöneres als einen saftigen, die Gemüter erhitzenden Rabatz. Nur: Warum stören wir uns dann daran? „Skandale“, das heißt: Randale. Gut angezogene Herren werden ausfällig. Damen in Abendkleidern erheben die Stimme und echauffieren sich über den Inhalt einer Darbietung, die als ruchlos betrachtet wird. Das funktioniert auch abseits der Opernbühne – zum Beispiel auf dem politischen Parkett: Als Rudolf Scharping im Jahr 2002 als amtierender Verteidigungsminister mit seiner adeligen Freundin im Swimmingpool turtelte, so war dies, abgebildet in einem Boulevardmagazin, dermaßen unfassbar, dass Scharping von allen Ämtern zurücktreten musste. Sein politisches Leben war durch die sogenannte „Mallorca-Affäre“ erledigt, bis auf den heutigen Tag. Auch der „Abgas-Skandal“ oder der „Glykol-Skandal“ beschränkten sich keineswegs auf einen großen öffentlichen Bohei. Sie hatten weitreichende Konsequenzen. Opernskandale dagegen, auch wenn sie lautstärker geführt werden, bleiben fast immer folgenlos. Sie sind ein Strohfeuer der gesellschaftlichen Erregung. Und sie sind selbsterfüllend. Ist der Vulkan ausgebrochen und verraucht, dann ist es fast immer so, als sei … nichts geschehen. Wir dürfen daraus ableiten, dass in der Opernerregung ein Gefühlshaushalt zur Explosion gelangt, in dem es lange schon brodelte. Mit anderen Worten: Der Opernskandal ist in jeder Repertoire-Vorstellung der Möglichkeit nach angelegt. Seine Erfüllung ist eine – konsequente – Folge dessen, was in der Gattung selbst begründet liegt. „Kraftwerk der Gefühle“ hat man die Oper genannt. Doch dieses Kraftwerk, scheint es, will den Ausnahmefall. Den Super-GAU. "Man kann das Leben dieser Diva nicht erzählen, ohne der entsprechenden Vorfälle zu gedenken" „Skandal“, von Griechisch: skándalon, bezeichnet ein Ärgernis, einen Anstoß, etwas Unglaubliches. Das Wort ist seit dem 16. Jahrhundert im Deutschen belegt. Doch schon im Alten Testament bezieht es sich auf alles Böse, das von Gott abführt. Medienwissenschaftler – kleiner Einschub: Ohne Medien geht beim Skandal gar nichts! – unterscheiden oberklug zwischen einer „Latenzphase“, einem „Schlüsselereignis“ und der „Etablierungsphase“, die gern mit einem Rücktritt endet (eventuell gefolgt von einer „Rehabilitierungsphase“). Mit derlei Differenzierungskünsten kommen wir beim Opernskandal nicht weiter. Der Opern- oder Musikskandal ähnelt eher einem großen „Puff“. Und das war’s dann. Daraus folgt messerscharf, dass wir nicht jeden Skandal, der sich in einem Opernhaus ereignet, als „Opernskandal“ werten sollten. Die Absetzung der Idomeneo-Inszenierung von Hans Neuenfels 2006 an der Deutschen Oper Berlin etwa, nachdem eine Wiederaufnahme von Islamisten bedroht zu sein schien, spielte sich zwar an einem Opernhaus ab. In Wirklichkeit war es ein politischer Skandal, der seinen Anfang in der Oper genommen hatte. Kenner und Sprengmeister zünftiger Opernskandale wie der besagte Hans Neuenfels – er blickt neben der Idomeneo-Geschichte noch auf andere, sortenreinere Opernskandale zurück – hat immer wieder auf Folgendes hingewiesen: „Ich suche den Skandal nicht!“ Genau das war sein Geheimnis. Wer allzu direkt auf die Aversion des Publikums schielt und hinarbeitet, auf den wird kein Mensch hereinfallen. Der Skandal, wo er sich denn ereignet, braucht unbedingt den Überraschungs- oder den Überrumpelungseffekt. Ihn hervorzurufen, ohne dass man es kommen sieht, das ist die hohe Schule der Aversionsmechanik. Manche Künstler scheinen ihre Karrieren geradezu auf Opernskandalen aufgebaut zu haben – was größtenteils auf einer optischen Täuschung basiert. Die große Maria Callas etwa hat durch einige spektakuläre Absagen (zum Teil bei laufender Vorstellung) Anekdoten kreiert und Schnappschüsse mit ausgefahrenen Krallen möglich gemacht, die ihre Biografie durchaus angereichert haben. Man kann das Leben dieser Diva nicht erzählen, ohne der entsprechenden Vorfälle zu gedenken. Mit der Kunst der Callas selbst hat das aber kaum was zu tun. Sie wird nicht wegen, sondern trotz dieser Skandale gepriesen und verehrt. Merke: Opernskandale haben mit Kunst wenig gemein; aber sie machen das Reden darüber leichter. Und bunter. Die Fähigkeit zum Skandal, durch die sich die Oper von allen anderen Künsten abgrenzt (wann haben Sie den letzten Literaturskandal erlebt?!), ist der Lebensbeweis einer gern totgesagten Gattung. Solange es den Opernskandal gibt, solange sind auch wir noch lebendig. Nur: Solange wir ihn brauchen, um uns von unserer eigenen Vitalität zu überzeugen, steht es um unsere Gesundheit womöglich nicht optimal! Von diversen Genres ließe sich sagen, sie würden lange schon einen langsamen Tod sterben: von der Lyrik, vom Volkslied, von der Hausmusik und vom Skat. Keines dieser Genres hat jemals einen Skandal hervorgebracht. Armer Skat! Kurzum, bewundern und bestaunen wir diese feste Institution des Opernzirkus’: den großen Ausraster. Auch falls sich ein kleiner Silberblick, ein Verkennen der Größenrelationen und eine leidenschaftliche Übersprungshandlung dahinter verbergen mag – macht doch nichts! Der Skandal zeigt, wie sehr es in der Oper um Emotionen geht – und wie sehr wir Opernbesucher diese großen Gefühle selbst ausleben wollen. Er beweist, wie sehr die alte Oma Oper eine Sensibilisierungs- und eine Gefühlsbeschleunigungsmaschine ist. Vielleicht gehen wir manchmal, wenn wir einen Skandal wittern, nur uns selbst auf den Leim. Ganz gewiss aber der Gattung Oper, in der wir diese Gefühle finden. Ich freue mich schon heute auf meinen nächsten Skandal. Ich werde mich aufregen, als sei es das erste Mal. Kai Luehrs-Kaiser

nmz - neue musikzeitung

4. Mai

Einstein, Callas und die Beatles: New Yorks Carnegie Hall wird 125

New York - Auf der berühmten Bühne der Carnegie Hall wurden Karrieren geboren und Ausnahmekonzerte gespielt. Aber der Tempel war schon immer mehr als nur Konzerthaus, auch Einstein und Churchill hielten hier Vorträge. Jetzt wird die Carnegie Hall 125 Jahre alt.  Zur Eröffnung kam Star-Komponist Peter Tschaikowsky höchstpersönlich. Fünf Abende lang dirigierte er Orchester und Chor durch einige seiner Werke. Die Pferdekutschen reihten sich zur Premiere am Donnerstag (5. Mai) vor genau 125 Jahren die gesamte 57th Street und 7th Avenue entlang. Tickets kosteten maximal einen Dollar im Parkett und waren auf den Rängen schon für 25 Cents zu haben. Weiterlesen




ouverture

29. April

Ouvertüren (Tudor)

Antike Sagengestalten stehen im Mittelpunkt dieser CD der Bamberger Symphoniker. Die Auswahl der Musik für ein solches Programm fällt sicherlich nicht leicht, denn schon für die allerersten Opern wählten die Komponisten Stoffe aus der griechi- schen oder römischen Mythologie. Dirigent Karl-Heinz Steffens prä- sentiert mit den Bamberger Sym- phonikern Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die CD beginnt mit der Ouvertüre zu Iphigenie in Aulis von Christoph Willibald Gluck (1714 bis 1787) – in einer Bearbeitung von Richard Wagner. Aus Mozarts Oper Ideomeneo erklingt ebenfalls die Ouvertüre, sowie die abschließende Ballettmusik, die die Krönung Idaman- tes in Form einer Pantomime in Szene setzen soll.  Luigi Cherubini (1760 bis 1842) stammte aus Florenz. 1787 ging er nach Paris, und dort überlebte er die Revolution und die Schreckensherrschaft der Jakobiner. Im März 1797 stellte er dann seine Oper Médée vor. Dass die grausige Geschichte um die Zauberin Medea bis zum heutigen Tage ihren Platz auf der Opernbühne behauptet, ist auch das Verdienst von Maria Callas, die diese Partie einst phänomenal gesungen hat. Die Bamberger Symphoniker spielen die Ouvertüre, die bereits den Furor der Heldin ankündigt.  Deutlich ruhiger gestaltet hat Ludwig van Beethoven die Eröffungsmusik zu Die Ruinen von Athen, einem Huldigungs-Opus zur Eröffnung des Theaters im ungarischen Pest. Mit knapp fünf Minuten ist dies die kürzeste Ouvertüre des Komponisten überhaupt; sie ist knapp, aber reizvoll, und lässt das dazugehörige Stück aus der Feder von Kotzebue nicht vermissen, in dem Göttervater Zeus höchstpersönlich eine Büste des österreichischen Kaisers Franz I. aufstellt.  Shakespeares Sommernachtstraum stand Pate bei der romantischen Oper Oberon, die Carl Maria von Weber (1786 bis 1826) schwerkrank in seinen letzten Lebensmonaten geschaffen hat. Die Handlung soll ein wenig verwirren – aber wenn die Musik insgesamt so ist wie das, was die Bamberger Symphoniker auf dieser CD vorstellen, dann könnte man vielleicht sogar über Schwächen des Textbuches hinwegsehen und dem Opus eine zumindest konzertante Wiederauferstehung wünschen.  Und da wir einmal bei Puck, Oberon und Titania sind – die CD endet mit dem Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Bamberger Symphoniker beweisen einmal mehr, dass sie zu den besten Orchestern Deutschlands gehören; musiziert wird mit Präzision und Esprit. Steffens erweist sich als Klangmagier, er vergisst aber auch nicht, hier und da mit einer Prise Dramatik zu würzen. Diese Einspielung ist ein kleines Juwel, hier passt einfach alles. 



Crescendo

27. Januar

Ein echter Diamant - Dinorah Varsi: Ein echter Diamant

Das Leipziger Label Genuin ehrt Dinorah Varsi mit einer umfassenden Edition ihres klingenden Vermächtnisses und offenbart damit, welch großartige Virtuosin die 2013 verstorbene Pianistin war.Qualität setzt sich nicht immer durch. Schon zu ihren Lebzeiten war die 2013 in Berlin verstorbene Dinorah Varsi nur einem überschaubaren Kreis von Klavierexperten ein Begriff, obwohl sie zu den herausragenden Interpreten ihres Instruments im 20. Jahrhundert zählte: Dabei war die 1939 in Montevideo geborene Pianistin eine Magierin des ausgehörten, nuancierten Klangs und entfachte auf dem Steinway eine orchestrale Polyfonie und einen Farbenreichtum, der ganz von innen kam und völlig frei war von jeglicher Sentimentalität und virtuoser Attitüde. Vielleicht waren diese besonderen Charakteristika – also instinktive Wahrhaftigkeit und eine zutiefst sinnliche Intensität ihres Spiels, das selbst im stärksten Fortissimo kantabel und obertonreich klang, dazu eine streng werksbezogene, unglamouröse Professionalität – nicht die passenden Waffen, um sich in jenen wilden Sixties, als sie die europäische Bühne betrat, gegen die sich damals formierende Virtuosengeneration durchzusetzen. Ihr Chopin-Spiel war überirdisch und näher dran an seinem inneren Kosmos als die meisten anderen gefeierten Tastensportler und Pyromanen, doch erreichte sie damit nur die wirklich Musikalischen, während selbst Großkritiker sich über ihre Technik oder über ihre Agogik, andere über ihre unsentimentale Klarheit mokierten. Dinorah Varsi war von Kindesbeinen an mit dem Klavier verwachsen. Mit vier Jahren tritt sie öffentlich auf, mit neun folgt das erste Orchesterkonzert. Als Fünfzehnjährige spielt sie „Rach II“ im Rundfunk von Montevideo, bleibt aber bis zum Ende ihres Studiums in Uruguay. 1961 gibt sie ihr USA-Debüt und setzt in Paris ihre Ausbildung fort. Durch Géza Anda, ihren letzten Lehrer, erhält sie dann ihre entscheidenden künstlerischen Impulse. Nach mehreren Wettbewerbserfolgen, zuletzt dem Concours Clara-Haskil 1967 in Genf, nimmt Philips sie unter Vertrag und macht sie weltbekannt. Doch bereits Mitte der Siebziger zieht sie sich vom Konzertleben zurück und arbeitet in der Schweiz, ihrem neuen Domizil, an ihrem „großen Thema“: dem Klang. Als Varsi in den Achtzigerjahren aufs Podium zurückkehrt, ist sie zur Weltklasse-Interpretin gereift, doch der Weltruhm scheint dahin. Sie produziert fortan bei kleineren Labels oder im Rundfunk eine Reihe hochwertiger, aber wenig beachteter Studioaufnahmen mit Werken Chopins, Schumanns, Beethovens und Brahms’ und entpuppt sich in Konzerten auch als herausragende Bach- und Mozart-Interpretin. Von 1990 bis 1996 lehrt sie an der Karlsruher Musikhochschule und bezieht eine Zweitwohnung in Berlin. Eine Japan-Tournee im Jahr 2004 und letzte CD-Aufnahmen im Jahr 2008 beenden eine Karriere, die zum größten Teil im Schatten des großen Ruhms stattfand, in der zweiten Lebenshälfte aber von enormer künstlerischer Kraft und Kontinuität geprägt war: Dinorah Varsi blieb zeitlebens eine geheimnisvolle und scheue Einzelgängerin und eine unbestechliche Wahrheitssucherin, die jeder Note, die sie spielte, Sinn, Charakter und Leben verlieh. Kein Wunder, dass die Callas zu ihren Vorbildern zählte. Man kann den Leuten von Genuin nur danken, dass sie jetzt die Kunst Dinorah Varsis dem Dunkel des Vergessens entrissen und in einem bewundernswerten Kraftakt praktisch das gesamte von ihr erhaltene Material in einer aufwendigen Komplettedition zusammengetragen haben: 35 CDs mit größtenteils unveröffentlichten Aufnahmen aus sechs Jahrzehnten sowie fünf Video-DVDs mit Konzertmitschnitten, Filmporträts, einem Meisterkurs und Interviews enthält die „Legacy“-Edition, dazu ein 112 Seiten starkes Begleitbuch mit Originalbeiträgen verschiedener Autoren und Selbstzeugnissen der Künstlerin, die ein umfassendes Bild ihrer Persönlichkeit zeichnen. Ich selbst muss gestehen, dass auch ich sie nur bruchstückhaft in Erinnerung hatte, und jetzt kaum fassen konnte, welche Schätze mir da entgangen waren: Die 34 Audio-CDs sind klug unterteilt in 13 Live- und 21 Studio-Alben und dann weiter geordnet nach Solo- und Konzertprogrammen. Bei den Live-Recitals dominieren naturgemäß Mischprogramme, wobei sie stilistische Kontraste liebte und etwa in einem Konzert in Schwetzingen Mozart mit Brahms, Bartók und Chopin kombinierte: Dabei spielte sie Mozarts h-Moll-Adagio gleich zu Beginn mit einer Hingabe und einer erschütternden Schlichtheit, dass man es für den Höhepunkt des Abends halten musste. Das klang nach einer Synthese aus Andas Magie und Guldas Klarheit: Sie suchte und fand bei jedem Komponisten „ihren“ charakteristischen Ton. Zu den Höhepunkten ihrer jetzt wiederentdeckten Studioaktivitäten zählen die in den späten Achtzigerjahren entstandenen Rundfunkproduktionen der wichtigen Zyklen Frédéric Chopins, wobei sie mit den Mazurken, den Nocturnes, den Impromptus und auch den drei Sonaten zeitlose Referenzmarken setzte, die auch nach dreißig Jahren nichts eingebüßt haben von ihrer Klangschönheit, ihrer fließenden Prägnanz, ihrer orchestralen Poly­fonie. Aber auch ihr Beethoven, ihr Schumann, ihr Brahms eröffnen ganz neue Einblicke in das reiche, immer organisch pulsierende Innenleben der Werke. Am meisten fasziniert sie durch die Subtilität, die Differenzierungskunst, den sinnlichen Zauber ihres Anschlags, der eine intime Beziehung zu ihrem Instrument verrät: Kaum ein anderer kannte so dessen Seele. Attila Csampai Dinorah Varsi: Various: Legacy (35 CD + 5 DVD) Genuin (Note 1 Musikvertrieb)

Crescendo

27. Januar

Amore! - Simone Kermes und die Liebe

Für ihr Projekt „Love“ entstaubte Simone Kermes zahlreiche Liebeslieder und verlieh ihnen neuen Glanz.Gibt man bei Google „Simone Kermes“ und „schrill“ ein, stößt man auf eine große Anzahl von Artikeln. Man könnte fast meinen, die Sopranistin sei wirklich schrill. Doch während des Interviews zeigt sich, dass Kermes vor allem ein sehr nachdenklicher, sensibler Charakter ist. Auf ihrer aktuellen, schlicht „Love“ genannten CD verzichtet sie auf jegliches Liedgut, das an der emotionalen Oberfläche bleibt. Stattdessen hat sie ein Album konzipiert, das die Facetten der Liebe ausleuchtet – und das alles mit Kompositionen aus längst vergangenen Jahrhunderten. crescendo: Frau Kermes, ein ganzes Jahr lang arbeiteten Sie an Ihrem neuen Projekt. War es für Sie eine Herzenssache? Simone Kermes: Klar ist das ein Thema, bei dem man als Sängerin seine eigenen, ganz privaten Erfahrungen einbringen kann. Letztlich ist „Love“ meine eigene Geschichte, vielleicht sogar mein Leben. Liebe hat ja so viele Facetten. Sie beginnt mit dem ersten Kennenlernen, wächst zur heißen Liebe heran und führt oft zu Eifersucht, Wahnsinn und Tod. Das passiert ja nicht nur in der Oper, sondern auch im echten Leben. Maria Callas ist so ein Beispiel, die, wie ich meine, an der Liebschaft mit Onassis zerbrochen ist und einfach nicht mehr wollte. Sie haben also den objektiven Blick auf die Liebe gar nicht erst gesucht? Der ist natürlich ebenso wichtig! Ich habe beispielsweise einen Philosophen kontaktiert, der auch einen Text zum Booklet beigesteuert hat über die Liebe aus philosophischer Sicht. Darin hat er diesen wunderschönen Satz formuliert: Wenn du jemanden wirklich liebst, lässt du ihn frei. Keine Ketten, kein Besitzanspruch also! Auch mit einem Herzspezialisten habe ich gesprochen und mir die Liebe aus medizinischer Sicht erklären lassen. Das Herz ist ja schließlich unser Liebesorgan. Schlug das Herz der Liebe zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert eigentlich anders? Die Lieder auf Ihrem Album stammen ja allesamt aus dieser Zeitspanne. Überhaupt nicht – diese Musik ist brandaktuell! Nehmen wir Barbara Strozzis Che si può fare? – das ist fast schon ein Popsong. Bevor der Barock kam, war die Epoche wunderbar klar und in die Tiefe gehend, ganz ohne Schnickschnack und Schnörkel und doch voller Herzschmerz. Es hat schon seinen Grund, warum sie auch das „Goldene Zeitalter“ genannt wird. Wir haben übrigens auf der CD auch einen tunesischen Musiker im Ensemble. Er spielt die Viola d’amore mit Anklängen an die arabische Musik, der man sich in dieser Zeit zugewandt hat. Da hört man plötzlich einen Sound, bei dem man sich erst einmal fragt, was das denn soll – völlig neuartig eben. "Eifersucht, Wahnsinn und Tod – das passiert nicht nur in der Oper" Mussten Sie bei Ihrer Suche nach geeigneten Kompositionen arg weit in die Tiefen der Bibliotheksarchive hinabsteigen? Teilweise war’s schon schwierig in der Notenbeschaffung. In einer Berliner Bibliothek habe ich etwa eine Folia von Luis de Briçeño entdeckt, einem spanischen Komponisten, der die Gitarre in Frankreich etabliert hat. Zwar kam sie nicht auf die CD drauf, aber ich werde sie ganz bestimmt im Konzert präsentieren. Bei diesen Noten gab es lediglich einen Text mit ein paar Notizen für die Gitarrenbegleitung. Generell mussten viele Stücke erst einmal bearbeitet werden. Wobei man als Künstler bei Alter Musik immer am Scheideweg steht: Interpretiert man die Werke historisch korrekt oder doch lieber ästhetisch optimiert? Ich stand auch an diesem Scheideweg. Ganz am Anfang des Projekts haben wir beispielsweise darüber diskutiert, ob wir auch ein modernes Saxofon hinzunehmen. Am Ende wurde die Idee jedoch verworfen und wir haben uns für den Zink entschieden – der klingt vielleicht großartig! Bislang war ich ja kein großer Fan des Instruments, aber der Musiker, der auf der Aufnahme zu hören ist, hat einfach gespielt wie ein Gott. In solchen Fällen suche ich dann doch die Nähe zum ursprünglichen Klang, schließlich sollte „Love“ auch kein Crossover-Album werden. Die Arrangements wahren also noch immer den ursprünglichen Charakter der jeweiligen Komposition. Andererseits habe ich so meine Probleme mit dem puristischen Anspruch, den die rein historische Aufführungspraxis verfolgt, schließlich leben wir im Hier und Jetzt. Außerdem ist es mir wichtig, dass ich als Künstlerin auch meine eigene Persönlichkeit einbringe. Letztendlich zählt für mich also schon die Notentreue. Viel wichtiger ist aber nach wie vor die Interpretation. Der Blick auf die Liebe ändert sich ja im Laufe eines Menschenlebens. Haben Sie das Album in der richtigen Phase Ihres Lebens aufgenommen? Absolut. Zusammen mit dem Alliage Quintett habe ich das Konzertprogramm Je ne regrette rien, benannt nach dem Chanson von Edith Piaf, kreiert. Das hatte zur Folge, dass man mich ständig gefragt hat, ob ich denn wirklich nichts bereuen würde. Also wenn ich in der Liebe Wege eingeschlagen habe, die nicht so klug oder glücklich waren, dann habe ich eigentlich immer dazu gestanden. Aber was soll man denn im Leben schon bereuen, sofern man nicht gerade jemanden ermordet hat? Ja, das Album habe ich zur rechten Zeit in Angriff genommen. Und nein, ich bereue wirklich nichts! Interview: Maximilian Theiss Simone Kermes live 4. März 2016: Bremen, Die Glocke 5. März 2016: Schloss Elmau 19. Juni 2016: Schloßfestspiele Lenzburg (CH), Schloß weitere Termine folgen Simone Kermes: Love Sony Classical (Sony Music)

Maria Callas
(1923 – 1977)

Maria Callas (2. Dezember 1923 - 16. September 1977) war eine griechische Sopranistin. Sie gilt, trotz einer vergleichsweise kurzen Karriere, als die bedeutendste Opernsängerin italienischen Fachs des 20. Jahrhunderts.



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